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Am 26. Oktober 1861 wurde von Philipp Reis in Frankfurt am Main das erste Telefon der Welt präsentiert. Der deutsche Physik- und Chemielehrer hatte diese irrwitzige Konstruktion aus einer Geige und Stricknadel sowie der Blase eines Hasen gebastelt. Erfahren Sie, wie aus einem Spielzeug eine Welterfindung wurde.

„Das Pferd frisst keinen Gurkensalat."

Am 26. Oktober 1861 wurden die ersten Worte durch ein Telefon gesprochen. Philipp Reis, Physik- und Chemielehrer aus dem hessischen Gelnhausen, präsentierte an eben jenem Tag seinen frisch konstruierten Fernsprecher – bestehend aus Geige, Stricknadel und der Blase eines Hasen – dem elitären Zirkel des Physikalischen Vereins, bei dem er selbst Mitglied war, in Frankfurt am Main. Mit diesem gelang es erstmalig, Sprache mit Hilfe des elektrischen Stromes in die Ferne zu übertragen – zwischen dem Sitzungssaal und dem Frankfurter Senckenbergmuseum lagen fast 100 Meter! 
Der erste historische Satz, welcher „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat.“ lautete, war genauso wie weitere Sätze und ebenso Musik gut zu verstehen. Die erheblichen Schwankungen bei der Tonübertragung, die es vorher immer wieder gegeben hatte, existierten nun nicht mehr.

Zwischen Euphorie und Ignoranz

Während die Presse in große Euphorie ausbrach, ignorierten Wissenschaft und Politik die Idee des kreativen und ehrgeizigen deutschen Tüftlers. In Erinnerung blieben vielmehr die Pannen, nicht das Potential. Dennoch war der 27-Jährige seiner Zeit voraus, und hatte damit maßgeblich für andere Tüftler die Weichen bereitet. Werner von Siemens bewertete die Telephon-Erfindung des Hessen als „Wunder des Verstehens“. Reis starb 1874 mit 40 Jahren an Tuberkulose und konnte damit leider nicht mehr miterleben, wie aus seinem Spielzeug – dem „Telephon“ – auf den Tag genau zwei Jahre später eine Welterfindung wurde.

Made in Germany

Verantwortlich dafür waren die Herren Bell und Gray, die beide – unabhängig voneinander – am 14. Februar 1876 einen modernisierten Telefonapparat zum Patent anmeldeten. Gray, zu diesem Zeitpunkt leitender Mitarbeiter und Anteilseigner der Western Electric Manufacturing Company, dem größten Hersteller von telegraphischem Geräten in den USA, hatte dieses zwei Stunden später als der Taubstummenlehrer aus Boston eingereicht – und eben dieser triumphierte, weil er felsenfest von den kommerziellen Nutzungsmöglichkeiten der sprachlichen Kommunikation, wie Reis es auch schon war, überzeugt gewesen ist. Aus diesem Grund hat er die Bell Telephone Company gegründet – und der gebürtige Schotte sollte Recht behalten: 1879 gab es bereits in 20 Städten auf der Welt Fernsprechvermittlungseinrichtungen. Die erste in Deutschland wurde 1881 mit acht Teilnehmern versuchsweise in Berlin in Betrieb genommen. Der Durchbruch dieser Technologie erfolgte Anfang des 20. Jahrhunderts, als weltweit zehn Millionen Fernsprecher an Vermittlungsstellen angeschlossen waren. In den nächsten Jahrzehnten stiegt die Zahl kontinuierlich an. 1983 erfolgte mit dem ersten schnurlosen Telefon die nächste bedeutende Zäsur auf dem Gebiet der Telefonie.